Info
Ja, für die meisten Besucher. Die Straßen, Plätze und allgemeinen Bereiche der Altstadt sind kostenlos zugänglich (0 EUR) und täglich rund um die Uhr, von 00:00 bis 23:59 Uhr, geöffnet. Der Besuch kostet also nur Ihre Reisezeit. Die Einschränkung ist die Menschenmenge: Kommen Sie zwischen 07:00 und 10:00 Uhr, dann wirken dieselben Gassen wie eine lebendige Universitätsstadt und nicht wie eine Touristen-Durchgangsstraße.
Die Heidelberger Hauptstraße erstreckt sich über etwa 1,6 Kilometer ohne Unterbrechung, und fast nichts wurde nach 1945 neu aufgebaut – die Alliierten ließen die Stadt weitgehend intakt, weshalb die Altstadt als durchgehendes barockes Straßenbild und nicht als Rekonstruktion wahrgenommen wird. Diese eine Tatsache erklärt das meiste, was folgt. Besucher, die fragen, ob sich ein Besuch in Heidelberg lohnt, vergleichen es meist mit Rothenburg, Bamberg oder einem zweiten Tag in Frankfurt. Der ehrliche Unterschied ist: Heidelberg ist keine museale Stadt. Es ist eine funktionierende Universitätsstadt – die älteste in Deutschland, gegründet 1386 – und etwa ein Fünftel der Bewohner sind Studierende.
Was ein Besucher tatsächlich vorfindet, ist eine räumliche Verdichtung. Die Adresse ist schlicht Altstadt, 69117 Heidelberg – eine Halbinsel aus Straßen, eingezwängt zwischen dem Fluss und dem Hügel, was bedeutet, dass der Marktplatz, die Heiliggeistkirche, das Karlstor, der Studentenkarzer und das Schloss darüber alle in einem gut begehbaren Gebiet liegen. Diese Kompression ist gleichzeitig Stärke und Schwäche. Sie macht einen halben Tag realistisch. Es bedeutet aber auch, dass der Kornmarkt und die Alte Brücke sich wie eine Warteschlange anfühlen, wenn vier Flusskreuzfahrtgruppen gleichzeitig aussteigen. Der Philosophenweg am Nordufer existiert teilweise als Druckventil; ebenso das Viertel Neuenheim allgemein.
Der Kontext, der die Antwort sinnvoll macht, ist eher saisonal und stündlich als jährlich zu betrachten. Im August füllen sich die Neckarterrassen bis zum Vormittag und bleiben voll; im Februar gehören dieselben Plätze den Anwohnern. Jeder, der die Heidelberger Sehenswürdigkeiten recherchiert oder eine Führung durch die Heidelberger Altstadt bucht, sollte die Tageszeit als primäre Variable betrachten, nicht die Route. Die Altstadt belohnt Langsamkeit – die Sandsteinfassaden, der Marstallhof, die Buchhandlungen entlang der Plöck – und Langsamkeit ist bei Hochbetrieb unmöglich.
Also zum praktischen Nutzen der Antwort: Behandeln Sie Heidelberg als einen Ort, an dem Sie bewusst einen Zeitblock verbringen, statt als einen Punkt auf einer Checkliste. Wer mit der Regionalbahn aus Frankfurt kommt, sollte vorab entscheiden, ob das Schlossinnere, die Bergbahn oder einfach nur die Straßen Priorität haben, da der Versuch, alles drei zu kombinieren, den Tag unnötig verdichtet. Sehenswertes in Heidelberg erstreckt sich weit über die Schlossterrasse hinaus. Für alle, die immer noch abwägen, ob sich Heidelberg gegenüber einem anderen Stopp im Rhein-Neckar-Gebiet lohnt: Der entscheidende Faktor ist meist, ob ein intakter historischer Kern mit einer lebendigen studentischen Bevölkerung mehr anspricht als eine rein landschaftlich schöne Kulisse. Für die meisten Reisenden ist das der Fall.